Kurz bevor das letzte Jahr zu Ende ging, haben Alligatoah noch schnell "In Gottes Namen" rausgehaun - mit Raps von Kaliba 69 und Beats von DJ Deagle. Dieses Album ist alles andere als gewöhnlich, wohl eher gewöhnungsbedürftig. Wer nicht beachtet, dass es sich bei dem Genre, um den von Alligatoah selbst erfundenen "Schauspielbattlerap" handelt, wird die Texte wohl missverstehen und sowohl Kalibas ausgefallen Flow als auch das Verstellen seiner Stimme eher als anstrengend empfinden. Alle anderen, die zwischen den Zeilen hören, sollten die geniale Aussage in den Texten erkennen und mir Recht geben, wenn ich sage: Alligatoah erzählen Geschichten, oder viel mehr Satiren, die zum Lachen bringen und vor allem soziale Missstände stärker verdeutlichen, als so mancher tiefsinnige, mit Streichern unterlegte Track.
Der Titeltrack "In Gottes Namen" fasst zusammen, was das gesamte Album hauptsächlich zu kritisieren scheint: fanatische Religiösität, die Menschen so blind werden lässt, dass sie glauben von Gott dazu beauftragt zu sein, grausame Dinge zu vollbringen. Ein Großteil der Tracks unterstützt diese Aussage. "Zwei Missionare" z.B. handelt davon wie viel Spaß es macht Ungläubige zu bekehren, und sich dabei besonders wichtig und schlau zu fühlen, weil man den anderen zeigt wie schlecht sie sind. Derjenige, der hier gedrängt wird, sich zu Gott zu bekennen, antwortet übrigens nur mit den Worten: "Wuff, wuff!" Auch kritisch auf die Schippe genommen wird der Fanatismus im Islam, im Christentum und in Sekten, da jeder zu denken scheint, er betreibe die einzig wahre Religion. Jeder denkt: "Mein Gott hat den längsten Penis" (siehe Video)
Und zu "Es gibt einen Ort" (übrigens: sehr lustiges Intro und geile Melodie in der Hook) sagt Kaliba 69 selbst: "Also es geht da ja um so 'nen Typen, der wohnt in einer Gegend, wo alles am Arsch ist, deshalb ist die Vorstellung eines Paradieses für ihn die einzige Hoffnung. Das weiß auch der 'Drahtziehah' und nutzt seine Lage aus, ihn für seine Zwecke zu rekrutieren und ihn als Marionette zu benutzen, indem er ihm immer mehr Belohnung im Himmel verspricht je gehorsamer er für ihn arbeitet." Mehr als die eigentliche Gesellschaftskritik scheinen für Kaliba allerdings der Humor und seine Geschichten im Vordergrund zu stehen. Er sagt, er gebe lediglich kritische Denkanstöße. So auch in den übrigen Tracks, die nicht von Religion handeln sondern z.B. von Internet-/Spielsucht ("Raubkopierah", "Reallife 1.6") oder Überheblichkeit bzw. Selbstüberschätzung (die "Ich kann am besten"-Skits I-III). Ich hör mir "In Gottes Namen" gerne an, wenn ich lachen will oder mit meinen Dawgs die Texte feier, aber so nebenbei laufen lassen kann ich's nicht. Dafür ist es zu abgedreht gerappt.
Was mir aber gefällt, sind das ein paar Hooks ziemlich melodisch rüberkommen und von Kaliba auch ausgesprochen gut gesungen sind. Das Album ist sicher nicht jedermanns Geschmack, aber hört es euch wenigstens einmal an, bevor ihr urteilt. Und nicht vergessen: Zwischen den Zeilen hören! ;)