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Summerjam 2007, 6th-8th Juli Drucken E-Mail
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Geschrieben von: Claudia Wagstyl   

0037_Ziggi Und wieder einmal war die Summerjam ein voller Erfolg. Und nicht nur die Jugendlichen und Erwachsenen hatte ihren Spaß, sondern ebenso Babies die noch unter einem Jahr sind, fanden es super entweder auf der Wiese zu chillen oder auf den Schultern ihrer Eltern zu sitzen und die Künstler über den Köpfen aller anderen hinweg zu sehen. Auf etwa 50000 Besucher schätzt man die Besucherzahl in diesem Jahr, was aber auch kein Wunder bei diesen Artists ist. Und obwohl das Wetter am Freitag nicht so war, wie man es sich für die Summer Jam wünscht, wurde die Stimmung nicht im geringsten gestört. Aber es ist ja auch kein Wunder. Auf der Bühne standen schließlich auch große Artists, die man einfach nicht verpassen durfte.

Beim allerersten Künstler musste man sich aber entscheiden, ob es was für einen ist oder nicht. Ronny Trettmann spaltet sicherlich die Zuhörer, entweder man mag seinen Sachsenslang oder eben nicht. Am selben Tag standen zeitgleich Albarosie und Uwe Baton auf der red- bzw green Stage, was sicherlich eine Herausforderung für beide Seiten war. Der relative Neukömmling gegen den gutgekannten Uwe Banton. Das gute ist, es gab keinen Verlierer, beide sind absolut gut, was die Masse auch preisgegeben hat. Auf beiden Seiten wurde mitgetanzt und gesungen und falls man einen von beiden noch nicht kennt, sollte man sie dringendst kennenlernen.

Richtig lange konnte man bei Israel Vibration abgehen, denn sie hatten knappe zwei Stunden auf der Bühne Zeit, was beim SummerJam nicht immer vorkommt. Parallel dazu trat auch Ziggi auf. Der Raggae-Dancehall Artist hatte richtig Spaß auf der Bühne und wusste, wie man dies auch auf das Publikum überträgt und dieses zu seinen Songs zur Bewegung bringt. Der halb Holläner und halb Süd-Ost Karibe bringt die nötigsten Voraussetzungen mit um seinem Vorbild gerecht zu werden; Gentleman. Sein derzeitiges Album „so much reasons“ rentiert sich, denn „es gibt viele Gründe“ für Ziggi, auf jeden Fall weiter zu machen, und vielleicht ist er bald schon so weit wie sein Vorbild.

0077_General_Degree Aber der beste Dancehall Act an dem Freitag waren General Degree zusammen mit T.O.K.. General began etwa 1989 mit dem Dancehall und nahm 2 Jahre später schon Platten auf, und das mit Erfolg. Allerdings trat er erst nochmal zehn Jahre später -2000- hier in Deutschland auf. Vielleicht auch zehn Jahre zu spät, denn ihn darf man sich einfach nicht entgehen lassen, ebenso wie T.O.K., die mit Degree den perfekte Mix abgeben.

Der Höhepunkt für zwei Menschen der Summerjam kam vor dem Auftritt von Gentleman, während so vieleOhnmächtige aus dem Publikum gezogen wurden, wie noch nie. Die Securities, sowie die Sanitäter hatte mehr zu tun als ihnen lieb war. Zum Glück der Securities waren die meisten people, die einen Zusammenbruch oder Wahlweise auch eine riesige Beule auf dem Kopf hatten, relativ schlank, so dass man sie leichter aus der Menge ziehen konnten. Naja, die beiden hat es nicht großartig gestört. Der Typ stand auf der Bühne und seine Freundin davor. Und als man sich schon denken konnte was jetzt kommt, fing er bereits an zu reden, von wegen vor 7 Jahren auf der Summerjam kennen gelernt und das jetzt wohl der richtige Zeitpunkt sei. Viele, hauptsächlich wohl auch Frauen, erwarteten schon sehnsüchtig das „Willst du mich heiraten“, als es endlich ausgesprochen war und seine Freundin schon auf die Bühne gezogen wurde und ein „Ja“ ins Mikrofon schrie. Beide waren super glücklich und das Publikum natürlich auch. Glücklich verlobt durften sie auch direkt oben auf der Bühne bleiben, als Andrew Murphy den sehnsüchtig erwarteten Gentleman mit seiner Far East Band ankündigte. Und weiter ging es im Publikum mit Menschen die plötzlich zerdrückt wurden und unter Platzangst litten oder auch schon völlig ohne Bewusstsein raus geschleppt wurden. Anfangs kam typischerweise nur die Band raus die den eigesessenen Artist musikalisch anzukündigen. Sobald allerdings Gentleman persönlich auf die Bühne kam, ging das Gejubel und Geschrei los. Gentleman legte einen super Aufritt hin. Aber das hat auch niemand bezweifelt, schließlich ist er nicht umsonst einer der besten Live-Artists, den viele kennen. Aber er hat ja auch schon mehr Erfahrung, als viele andere Künstler.

Auch der zweite Tag war voll mit gutem Programm. Zu Anfang -relativ früh- trat der Newcomer des Jahres auf, der wirklich sehr gut ist und auch das Publikum gut animierte. Seine Auftritte sind immer sehr speziell und einen Besuch absolut wert. Sebastian Sturm ist der einzigste Sänger, der seine Lieder so auf der Bühne lebt. Man versteht alles was er durch seine Lieder vermitteln will, ohne dass man auch nur seine gesungenen Worte versteht, davon mal abgesehen, dass man ihn sehr gut versteht und er auch sehr deutlich singt und spricht. Ein besonderes Plus, dass man ihm noch zusprechen muss, ist dass er nach seinem Auftritt, wie vorher angekündigt, hinter der Bühne seine CDs verkauft hat und wer wollte, hat eine Unterschrift bekommen oder einfach nur einen Händedruck. Der Halbindoneser hat die richtige Musik für sich und auch für uns herausgefiltert und macht sich und die Zuschauer mit seiner Performance glücklich.

0230_Maxim Der nächste absolute Höhepunkt des Tages war Nosliw, der wie meist auch mit Maxim kam. Die beiden hatten ein sehr großes Publikum, das fast bis zum anderen Ende des Fühlinger Sees reichte und fast jeder einzelne kannte die Songtexte. Maxim jedoch hält sich auf der Bühne ein wenig zurück und lässt aber die Sau raus, wenn es zu seinem Auftritt kommt und er nach vorne treten darf. Aber völlig entspannt nimmt er immer seine Rolle als Backgroundsänger ein, bis es endlich zu dem Punkt kommt, an dem er seine Songs voller Freude präsentieren darf und sein Publikum mitreist. Und das alles, dank seinem Austausch nach Guadalupe, bei dem er Reggae zu seinem Blutsbruder gemacht hat.


0255c_Colli_Buddz Als nächstes trat Collie Buddz auf, der mit seinen Riddims und dem Dancehall-Sound das Publikum bestens mit seinem Talent und der guten Stimme überzeugte. Trotz dessen, dass er noch nicht so lange bekannt ist, macht er seine Sache auf der Bühne und mit seinen Fans richtig gut. Ist allerdings auch nicht verwunderlich, da seine Songs auch richtig gut sind.

Bei Sizzla und Turbulence angekommen, kam zuerst Turbulence auf die Bühne. Wenn man als nichtwissender vor der Bühne steht, könnte man die beiden verwechseln, da Turbulence richtig gut ist und auch voll abgegangen ist und seine Qualität seiner Songs, der von Sizzla entspricht. Als bereits dann Blumentopf auf die Bühne trat wurde richtig abgerappt. Die Jungs beherrschen ihre Texte, wie kaum andere und wenn sie mal einen Teil vergessen, denken sie sich schnell was Passendes dazu aus, und das auf hohem Niveau. Sie versuchen ernste Themen auf humorvolle Weise zu vermitteln und schaffen das auch gut.

Als dann auf der andren Bühne der Jamaika Dancehall-Star Beenie Man auf die Bühne crashte, wurde das Publikum wild und gab sich seinen Tönen völlig hin. Sie hielten sich kein bisschen zurück und machten auch vorm Rempeln des Platznachbars halt, den es allerdings auch nicht störte, da es sowieso bei jeden gleich war. Die Hauptsache war der hohe Spaß- und Entspannungsfaktor unter den man sich stellt und dem man sich hingeben konnte.
Auch Sean Paul der zeitgleich mit the Rootz auftrat, nur eben an der anderen Bühne, gab sich nichts. Er heizte das Publikum auf und dachte nicht daran aufzuhören. Kaum zu glauben den Superstar von Viva mal Live zu sehen. Die Musik ist sehr gut, doch ich denke er sollte bei seinen Fernsehauftritten bleiben, da macht er sich eindeutig besser. The Rootz dagegen schenkten sich nichts und besonders der neue Sousaphonist erweckte große Aufmerksamkeiten und machte das Bühnenlicht durch die Spiegelung seines Instruments noch faszinierender. Die bereits 1987 gegründete Band macht ihrem Namen „The Roots“ alle Ehre und führt die Wurzeln immer weiter fort, obwohl aus den Wurzeln schon ein kräftiger, voll entwachsener Baum entstanden ist. Die Menschen, die an diesem Abend nicht dort gezeltet haben und na Hause zum Schlafen gefahren sind und die Abkürzung zwischen den Zelten gewählt haben, haben mit Sicherheit ihr blaues Wunder erlebt, wenn sie die Situation zuvor nicht erlebt hatten. Der Zeltplatz war nicht mehr nur als Zeltplatz zu erkennen, sondern auch als Müllhalde. Überall waren die Mülltonnen überfüllt und der Dreck lag im Umkreis von 5 Metern drum herum und das bei jedem Müll. Und da die Mülleimer so etwa 15m voneinander entfernt stehen, kann man sich in etwa vorstellen wie es dort ausgesehen hat. Die Toilettenhäuschen sahen ebenso himmlisch aus wie der Geruch, der einem in die Nase stieg, als man an denen vorbeiging. Leid konnten einen nur die Entsorgungsmänner tun, da die Hälfte des Inhalts, das sie aus den Toiletten durch Schläuche saugten, irgendwie entglitt und der ganze Boden voll davon war und der Geruch einem ganz schön zusetzte.

0373c_OSB Wer sich am Sonntag zu den Otentikk Street Brothers bewegte, hat eine große Überraschung erlebt und zwar eine sehr positive. Die Crew besteht aus vier MCs, einer fünfköpfigen Liveband und zwei Weiblichen Backgroungsängerinnen und kommen von der kleinen Insel Mauritius, die mitten im indischen Ozean liegt. Ihre Musikrichtung lässt sich so beschreiben: Elemente aus Reggae, Ragga, Hip Hop und aus dem Traditionellen der kreolischen Bevölkerung, genannt Sega. Und obwohl sie hier kaum gekannt-dafür richtig gut- sind, sind sie schon seit 15 Jahren existent und sehr wohl die bekannteste Band in ihrem Land.

Weiter ging es mit dem wohl recht beliebten Aswad, dessen Name viele vorhin nicht gehört haben, aber im Grunde genommen war er nicht der Schlechteste aller Artists. Schließlich hat er nicht umsonst schon viel Erfahrung, da er bereits 1975 in kleineren Clubs auftrat. Ohrbooten dagegen legte richtig im Deutsch-Reggae-Style los. Sie selbst bezeichnen ihren Musikstil als Gyp-Hop. Wie der Name ist, ist an sich auch egal, die Hauptsache ist, es klingt geil. Das empfanden demnach auch die Menschen, die Händeschwingend zur Musik abrockten. Das erste Alum entstand zwar erst 2005 doch das hält die Jungs nicht mal davon ab in Berlin einfach mal so auf der Straße zu spielen und das spürt man bei ihren Auftritten, dass es ihnen einfach Spaß macht auf der Bühne zu spielen oder auch einfach auf der Straße, wenn sich keine Bühne finden lässt. Ihnen geht es allein um die Freude der Musik, das macht die Band so gut.

0465_Talib_Kweli Als nächstes kam die Nachricht, die für die einen sehr gut war und für manche sicherlich auch enttäuschend.
IAM kam nicht und wurde somit gegen jemand andres eingetauscht; Talib Kweli. Der US-Amerikansiche Rapper begann schon als Kind die Musik zu lieben und führte sie fort, bis zu dem Punkt als er in einer Universität seinen Geistesverwandten Mos Def traf und richtig mit der Musik anfind. Sein erstes Album produzierte er auch mit ihm zusammen, dass 1998 erschien und von allen geliebt wurde. Nach Talib Kweli konnte man sich den außergewöhnlich guten Maxi Priest ansehen. Maxi Priest der eigentlich Max Alfred Elliot heißt, kam nach dem 2. Weltkrieg mit seiner Familie aus Jamaika nach London. Da Maxi Priest sich selbst zu den Rastafaris zählte, nannte er sich Priest. Er begann zwar schon 1985 mit seinem ersten Album, allerdings hatte er erst 1988 seinen Durchbruch mit dem Album „Maxi Priest“. Viele sagen er sei mittlerweile wieder etwas zurückgefallen, doch das was er auf der Summerjam geboten hat, ließ sicherlich viele erstaunen und erstaunlicherweise abtanzen. Priest hat in den knappen zwei Stunden richtig Gas gegeben und wahrscheinlich lag es auch an dem tollen Publikum, das ihm verdeutlichte, dass seine Zeit noch lange nicht zu Ende ist und er auf jeden Fall weiter machen sollte und man kann nie wissen: vielleicht gibt es bald wieder so ein Album, wie das von 1988.

Bei den nächsten beiden acts musste man sich leider wieder entscheiden. Will man den legendären Anthony B sehen oder entscheidet man sich doch eher für den etwas neueren Markt und sieht sich Culcha Candela an, die einen Tag vor ihrem Auftritt ihr 5-jähriges Bestehen feierten. Aber man erkannte kaum einen Unterschied an der Menge der Zuschauer. Bei beiden kochte die Bühne und man konnte das Ende der Zuschauer nicht mehr erkennen, so voll war es. Culcha Candela präsentierte so eine Show, wie ihre derzeit aktuellste Single heißt: HAMMER: Sie tanzten wie wild auf Bühne und sangen und man konnte ihnen den Spaß ansehen. Das war ein absolut gelungener Abschluss auf der roten Bühne der Summer Jam. Einen Besseren hätte man sich kaum vorstellen können. Aber auch Anthony B brachte die Menge ein letztes mal zum Kochen und präsentierte ein paar seiner unzähligen Dancehall-Songs.

Kaum hatten beide Bühnen aufgehört zu kochen begann das alljährige Feuerwerk, dass aber wie jedes Jahr relativ kurz, aber trotzdem sehr beeindruckend ist und die meisten Menschen dort in diesen zehn Minuten noch mal alles auf sich einwirken lassen können um dann noch ihre Zelte zusammenpacken und sich auf den Weg nach Hause machen können. Teils nach Frankreich oder Mauritius oder einfach nur eine Stadt entfernt. Die Ruhe, sowie der Dreck werden zurückgelassen. Doch nächstes Jahr kommt alles wieder.

 
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