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Was hab ich mich gefreut, dass die spontane Überlegung von Freitag, zum "Battle of the year" nach Braunschweig zu fahren, den darauffolgenden Tag auch wirklich in die Tat umgesetzt werden konnte. Es kurzfristig sogar noch ne Akkreditierung organisiert (Danke Leo!). Das war wirklich großes Glück, denn ansonsten hätte ich mir das Spektakel zum Eintrittspreis von 25 € + Spritkosten nicht leisten können. Und da hätte ich echt was verpasst! Crews von verschiedensten Kontinenten waren in die Weltmetropole Braunschweig angereist, um sich auf der diesjährigen Endausscheidung der BOTY ihre Packung verdienten Respekt abzuholen. Ja, Richtig ! Respekt und Anerkennung war wohl der ausschlaggebende Grund, denn für ein Preisgeld von 2.500 € aufgeteilt auf eine ganze Crew plus MP3-Player vom Sponsor Philipps hat wohl keiner die lange Reise auf sich genommen. Aber nicht nur die teilnehmenden Crews hatten einen weiten Weg zurückgelegt, nein, auch die Zuschauer. Zu 85% selber b-boy technisch aktiv, kamen sie aus aller Herren Länder zum Hauptevent in Sachen Körperbeherrschung. Das konnte man schon allein an den Nummernschildern der Autos und Busse auf dem Parkplatz festmachen. Für mich war es das erste Battle of the Year, und die Stimmung in der Halle und das extrem hohe Niveau, auf dem an diesem Abend tänzerisch gebattlet wurde, hat mich einfach umgehauen! Die Volkswagenhalle fasst bis zu 9.000 Besucher und die Kapazitäten waren an diesem Abend mindestens zu 85% ausgereizt. Die Ränge waren bis unter das Dach mehr als voll besetzt und der Platz vor der Bühne war ausgelastet wie bei einem JayZ-Konzert oder so. Ein beeindruckendes Bild, wenn man sonst nur mit ein paar Headz vor kleinen Tanz-Bühnen auf dem Splash oder den HipHopOpen stand. Der Einlass begann um fünf. Sobald die Volkswagenhalle sich langsam füllte, bildeten sich auch schon die ersten Kreise. Es wurde überall getanzt. Die B-Boys und Girls gaben durch ihr Können gleich einen Vorgeschmack auf das hohe Niveau, auf welchen an diesem Tage gebattlet werden sollte. Auch die Gewinner des letzten Jahres, die koreanischen "Expression" mischten sich unters Volk und bereiteten sich dort auf ihre Performance vor. Als ich mir anschaute, wie die kleinen Asiaten so durch die Luft wirbelten, ihre Körper fast unmöglich verbogen und in schier unvorstellbaren Posen entspannt verharren konnten, wurde mir sofort klar, dass ein Konkurrieren mit den Titelverteidigern ein hartes werden würde. Aber auch auf andere Kreise galt es unbedingt sein Augenmerk zu richten. Folgte man den lautesten Jubelschreien und Beifallsorgien, so wurde man auf eine kleine Dame aufmerksam, die mindestens soviel Bewunderung kassierte, wie die Crews, die an diesem Abend um den Titel kämpfen sollten. Bei der Dame handelte es sich nämlich um ein schwedisches B-Girl im stolzen Alter von 63, die vor sechs Jahren, (also mit 57!) mit dem Breaken angefangen hat. "Crazy Granny", wie sie sich selbst getauft hat, stellte für diejenigen, die es noch nicht wussten, klar unter Beweis, dass Breakdance mehr ist, als nur eine Freizeitbeschäftigung für Kids in Jugendzentren. Natürlich waren aber auch die besagten Kids anwesend und deren Leistung gilt es ebenso wenig zu verübeln, denn früh übt sich....was ein Zehnjähriger später mal werden will, nämlich Nachfolger von Flying Steps, Maniax, Five Amoks und Co. Um sieben begann die Show. Jede der insgesamt 16 Crews wurde für ihre Performance von der begeisterten Menge wie ein Sieger gefeiert und bejubelt. Aber das ist ja auch nicht unangemessen, denn schließlich haben sich die Crews im Kampf um den internationalen Titel erstmal den ersten Platz im eigenen Land verdienen müssen. Bei den Performences ging es den einzelnen Gruppen aber nicht nur darum, wer die krassesten Moves zieht, sondern wer sich auch am kreativsten von der Konkurrenz abheben kann. So simulierten die spanischen Addictos beispielsweise einen Stierkampf, die Maniax aus Stuttgart setzten auf die Verfolgungsjagd von ausgebrochenen Knastis und SonderEinsatzKommando und mit dem Auftreten der Australier von "Wickid Force" fühlte ich mich, als würde ich meine Cola nicht mehr in der VW-Halle schlürfen, sondern irgendwo in einem Salloon. Ein Showcase der Berliner "Flying Steps", welches ausser Konkurrenz lief, trumpfte mit der Einbindung von Basketbällen auf. So wurden selbst Headspins und windmills mit dem Ball im Arm durchgezogen Die japanischen "Fireworks" machten ihrem Namen alle Ehre und liessen ein Crewmember als Spitze auf ihrer menschlichen Pyramide Feuer speien. Damit holten sie sich den Sieg in der Kategorie "Best Show". Völlig berechtigt, wie ich finde. Leider wurden für mich nicht alle Entscheidungen der Jury so klar wie diese. Im Battle um die ersten drei Plätze traten die französischen "Pockémon" gegen den Titelverteidiger "Expression", und "Fireworks" gegen Koreas nationalen Gewinner "Gambler" an. Keine Frage, dass diese vier Crews auf jeden Fall in der Oberliga spielen. Sie alle brachten im Battle die Zuschauer zum Ausrasten und übertrafen die eigene Leistung der vorhergegangenen Performance um weites, aber die Bewertung des Ganzen wunderte nicht Wenige im Publikum. Der erste Platz ging an die Franzosen, der zweite an "Expression", Dritte wurden die koreanischen "Gambler", der vierte Platz ging an Japan. Komisch, denn eigentlich waren die Jungs von "Expression" doch die besseren, oder!? Vielleicht wollte man das BOTY nicht so einseitig an die Asiaten gehen lassen, immerhin waren drei der Finalisten aus Korea und Japan und "Expression" haben schon im Vorjahr gewonnen. Es schien mir wie eine Art Kuhhandel, dass man den Koreanern den zweiten und dritten Platz überlassen hat, die Japaner kassierten den Titel für "Best show" und als eine Art Gegengewicht hat man die Franzosen als Winner of the battle gekürt. Nicht unerheblich für die Entscheidung ist vielleicht auch die Tatsache, dass man sich als Gewinner automatisch für das nächste Jahr qualifiziert, aber heißt es denn nicht: "Möge der Bessere gewinnen"? Isa
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