Tequila
Letzten Sonntag (04.01.) war ich auf einem Konzert der Rapgruppe Delinquent Habits, die, wie ich in Erfahrung bringen konnte, wohl aus dem direkten Umfeld von Cypress Hill stammen. Da Sen Dog viele ihrer Sachen produziert hat, hatte ich entsprechend hohe Erwartungen. Ich hatte von den Herren leider vorher noch nie was gehört, und war gespannt, was mich dort in Düsseldorf erwarten würde. Es war ihr einziger Auftritt in Deutschland, und so habe ich eigentlich damit gerechnet in eine große Location zu kommen, mit vielen nervigen Leuten. Es stellte sich allerdings heraus, dass die Location ein kleiner Club in der Düsseldorfer Altstadt war. Statt der tobendenden Menschenmassen erwarteten die Tres Delinquentes nur gut 30 Leute, das Thekenpersonal mitgerechnet. Zu Beginn des Konzertes fingen die Rapper damit an, im Publikum Plastikbecher mit Tequila zu verteilen, und wie ich später zu meiner Freude bemerkte, blieb es auch nicht bei diesem einen Mal. Das Publikum reagierte entsprechend und die wenigen Leute feierten die drei Jungs aus L.A.. Der Alterdurchschnitt lag ungefähr zwischen 25 und 30, was aber auch vornehmlich daran lag, dass ca. fünf Jungspunde im Publikum anwesend waren, die auf keinen Fall die Volljährigkeit erreicht haben. Ich fühlte mich wohl.
Die Delinquent Habits gibt es jetzt bereits seit 1991, und das hat man auch an ihrer Bühnenpräsenz gemerkt: eine große, coole Gelassenheit, die aber trotz allem noch genug Feuer im Arsch hat, um Leute zum Tanzen und zum Lachen zu bringen. Authentizität gepaart mit Selbstironie, sowas braucht die Welt. Dass diese Leute in Amerika normalerweise vor Tausenden von Leuten auftreten, war gar nicht zu spüren. Keine überhebliche Star-Arroganz, guter Kontakt mit dem Publikum und einige gekonnte Ansagen gegen einen Typen, der aus dem Laden geschmissen wurde, nachdem er einer jungen Frau das Glas aus der Hand geschlagen hatte. Nach dem ca. anderthalb Stunden langen Konzert kamen die Tres Delinquentes von der Bühne ins Publikum, um jedem Einzelnen die Hand zu geben und sich für die Unterstützung zu bedanken. Ein wunderbares Erlebnis mit einem Ami-Act in Deutschland, wenn man bedenkt, dass Jay-Z auf dem Splash noch nicht einmal wusste, in welchem Land er sich gerade befindet.
Gerne noch einmal.
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